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Bei der Beurteilung von Objektiven werden häufig die gleichen Aspekte angeführt. Selten wird jedoch ein sehr wichtiger Punkt erwähnt, nämlich das Focus Breathing. Dies ist nicht überraschend, da es sich um ein sehr subtiles Phänomen handelt. Dennoch kann es in der Praxis eine große Wirkung haben, auch wenn es auf den ersten Blick nicht erkennbar ist. Gelegentlich wird man mit einem Problem konfrontiert und ist sich gar nicht bewusst, dass es auf das Focus Breathing zurückzuführen ist.

Betrachten wir einmal genauer, was sich hinter diesem Begriff verbirgt und welche Auswirkungen er auf die Aufnahmen hat.

Was ist Focus Breathing?

Focus Breathing hat nichts mit dem deutschen Wort „Atmen“ zu tun. Vielmehr handelt es sich um ein Phänomen in der Fotografie, bei dem sich der Bildausschnitt beim Fokussieren verändert. Ist das Objektiv auf eine bestimmte Brennweite eingestellt, kann sich der Bildausschnitt beim Fokussieren minimal verändern.

Sogar bei einer Festbrennweite ohne Zoom verschiebt sich der Bildausschnitt, als wäre in das Bild hineingezoomt worden. Dies hat einen großen Einfluss auf die Bildgestaltung.

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Warum entsteht Focus Breathing bei Objektiven?

Bei alten analogen Kameras bewegte sich das Objektiv vorwärts oder rückwärts, je nachdem, ob man auf den Vorder- oder Hintergrund fokussierte.

Damals war die Bewegung deutlich sichtbar, weil sich das Front-Element einfach nach vorne bewegte, sobald man fokussierte. Bei den heutigen Kameras sieht man normalerweise keine Bewegung mehr. Der Grund dafür ist, dass sich alles im Inneren des Objektivs abspielt. Um bestimmte Bereiche im Bild zu fokussieren, muss die Linse des Objektivs näher an den Sensor heran oder von ihm weg bewegt werden. Diese Bewegung der Linse hat auch großen Einflus auf das Focus Breathing.

Das Problem tritt vor allem dann auf, wenn der Fokuspunkt zwischen den beiden Extremwerten liegt. Das bedeutet, dass man einmal stark auf den Vordergrund und einmal auf den Hintergrund fokussiert. Wenn diese beiden Objekte räumlich weit auseinander liegen, tritt ein deutlicher Focus Breathing Effekt auf, da auch die Linse sehr stark bewegt werden muss.

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Innenfokussierung

Bei der Innenfokussierung wird das Objektiv nicht nach außen verlängert. Es werden lediglich einzelne Linsen innerhalb des Objektivs verschoben. Die Gründe für diese Konstruktion sind vielfältig: Zum einen findet keine Verlagerung des Schwerpunktes statt. Beim klassischen Zoom würde sich das gesamte Linsenpaket nach vorne ausfahren und das Gewicht entsprechend nach vorne verlagern. Dies kann in vielen Situationen zu Problemen beim Fotografieren führen. 

Außerdem ist die Innenfokussierung durch die Bauweise kostengünstiger und gleichzeitig leichter. Dies ist zumindest für die Hersteller ein Vorteil. Der Nachteil ist jedoch das Auftreten von Focus Breathing.

Sind alle Objektive von Focus Breathing betroffen?

Es gibt einige Linsen, die weniger betroffen sind als andere. Es gibt jedoch einen Unterschied. Bei einigen Objektiven kommt es tatsächlich zu einem leichten Beschnitt des Bildes, während sich bei anderen das Bild beim Fokussieren nur nach vorne oder hinten bewegt, ohne dass das Bild tatsächlich beschnitten wird.

Da es viele verschiedene Objektive mit sehr unterschiedlichen Konstruktionen gibt, variiert auch das Verhalten entsprechend. Auffällig sind Objektive mit Innenfokussierung und auch solche, die über einen extremen Brennweitenbereich verfügen. Vor allem, wenn der Bereich auf der einen Seite Weitwinkel und auf der anderen Seite langes Tele ist. Dies ist oft bei extremen Reiseobjektiven wie dem 28-200mm* der Fall. Hier wird oft von starkem Focus Breathing berichtet. Bei dieser großen Brennweite ist das nicht verwunderlich. Denn hier bewegen sich die Linsen nicht nur beim Fokussieren sondern auch beim zoomen.

Die Frage ist also nicht, welches Objektiv nicht von Focus Breathing betroffen ist, sondern wie stark es auftreten kann.

Wann ist das Problem relevant?

Das Problem der Fokusatmung ist in manchen Situationen weniger relevant. Aber es gibt auch Bereiche, in denen es einen enormen Einfluss hat. Deshalb ist eine sorgfältige Objektivauswahl sehr sinnvoll. Oft wird ein Objektiv aufgrund der Bildschärfe ausgewählt, aber das Focus Breathing kann ein ebenso wichtiger Aspekt sein.

Makrofotografie

Bei der Arbeit im Bereich der Makrofotografie ist die Veränderung der Brennweite sehr entscheidend. Die genaue Fokussierung kommt hier sehr oft zum Einsatz, was bedeutet, dass die ständige Veränderung des Bildausschnitts das Fotografieren erschwert. Dadurch verändert sich die Komposition oder es werden Bereiche abgeschnitten, die im Bild sein sollten. Je nachdem, wie ausgeprägt das Phänomen ist, kann dies ernsthafte Folgen haben.

Videografie

Beim Fotografieren macht sich das Focus Breathing nur in bestimmten Situationen bemerkbar. Beim Filmen mit betroffenen Objektiven kann das Problem viel problematischer sein. Ändert man beim Filmen den Fokus und verschiebt gleichzeitig die Brennweite, sieht die Aufnahme unschön aus. Das liegt daran, dass sich das gesamte Bild beim Fokussieren vorwärts und rückwärts bewegt. Solche Effekte sieht man oft in Aufnahmen, manchmal sogar in Filmen. Beim genauen Hinsehen kann man in manchen Szenen das Pumpen der Linse sehen.

Focus Stacking

Focus Stacking erzeugt mehrere Bilder eines Motivs, ohne die Kamera zu bewegen. Bei jeder Aufnahme wird der Fokuspunkt geändert, so dass beim Zusammenfügen aller Aufnahmen ein Bild mit kontinuierlicher Schärfe entsteht. Bei der Verwendung dieser Methode für ein Motiv, bei dem der Vordergrund sehr nah an der Kamera und der Hintergrund viel weiter entfernt ist, kann das Focus Breathing ein echtes Problem darstellen.

Das liegt daran, dass sich der Bildausschnitt und dementsprechend die Proportionen der Objekte im Motiv verändern. Wird einmal auf den Vordergrund und dann auf den Hintergrund fokussiert, sind die Bilder nicht kongruent. Das bedeutet, dass kaum eine Software die beiden Bilder automatisch zusammenfügen kann.

Falls man diese Methode verwendet, ist der Grad des Focus Breathing entscheidend. Alternativ muss man die Bilder manuell zusammenfügen, was sehr zeitaufwendig ist.

Kann man etwas gegen Focus Breathing tun?

Die Konstruktion des Objektivs ist in diesem Fall unveränderlich und ein stark betroffenes Objektiv lässt sich nicht korrigieren. Es gibt Objektive für Videografen, die eine starke Korrektur dieses Phänomens haben. Damit ist es möglich, den Fokus während des Filmens zu verändern, ohne dass das Bild völlig ruckelt. Bei der Auswahl von Objektiven sollte man diesen Aspekt berücksichtigen.

Kommt es zum Focus-Stacking, kann man sich überlegen, wie nah man an den Vordergrund herangehen muss. Ansonsten kann man mehr in das Motiv hineinzoomen und den gleichen Rahmen durch den Abstand zum Motiv bestimmen. Auf diese Weise ist der Abstand zwischen dem Vordergrund und der Kamera etwas kleiner, wodurch auch das Focus Breathing weniger zum Tragen kommt.

Focus Breathing: Fazit

Das Focus Breathing sollte nicht unterschätzt werden. Es kann das Fotografieren und Filmen in vielen Situationen beeinflussen. Besonders wenn man in den genannten Bereichen tätig ist, sollte dieser Effekt ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl eines Objektivs sein. Denn nicht jede Linse ist gleichermaßen von dem Problem betroffen. Oft ist es sinnvoll, die vorhandenen Objektive auf Fokusatmung zu überprüfen, so dass man sich bereits ein Bild von der Leistungsfähigkeit des Objektivs machen kann.