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Wer regelmäßig fotografiert und dabei versucht hat, alle Bereiche des Motivs scharf abzubilden, wird folgendes Problem kennen. Befindet sich der Fokuspunkt auf dem Vordergrund, erscheinen alle anderen Elemente in der Ferne teilweise unscharf. Dasselbe gilt in umgekehrter Richtung. Liegt der Fokuspunkt weit weg, kann ein Objekt im Vordergrund nur schlecht scharf gestellt werden. In einigen Situationen kann dies sehr frustrierend sein, vor allem, wenn man den Vordergrund mit seiner Umgebung in Beziehung setzen möchte, weil man dann viel mehr Möglichkeiten hat, mit dem Foto eine tiefgründige Geschichte zu erzählen. Um dies zu erreichen, ist eine hohe Schärfentiefe unerlässlich. Aber welche Rolle spielt die Schärfentiefe und wie können die offensichtlichen Hindernisse dennoch überwunden werden?


Was bedeutet hohe Schärfentiefe?

Die Schärfentiefe beschreibt den Bereich eines Bildes, der sich im Fokus befindet. Dies ist ein wichtiger Aspekt in der Fotografie, der in verschiedenen Techniken verwendet werden kann. Die Schärfentiefe ist sehr flexibel und kann sich je nach Objektiv oder Kameraeinstellung stark verändern. Es gibt keinen universellen Bereich der Schärfe. Nicht nur die Lage dieses Bereichs ist variabel, sondern auch die Ausdehnung. Je nach Kameraeinstellung kann der Bereich größer oder kleiner werden. Die technische Umsetzung der Objektive spielt hier eine zentrale Rolle. So ist es nicht ungewöhnlich, dass bestimmte Bereiche je nach Situation völlig unscharf sind. Man kann das Ganze mit dem menschlichen Auge vergleichen. Wenn man ein Objekt aus der Nähe fokussiert, erscheint der Hintergrund unscharf. Das Gleiche passiert beim Fokussieren in der Kamera. Je nach Fokuspunkt ändert sich auch der Bereich, der geschärft wird.


Was ist der Unterschied zwischen Schärfentiefe und Tiefenschärfe?

Wenn man sich näher mit dem Thema befasst, tauchen beide Begriffe recht häufig auf. Oft wird fälschlicherweise angenommen, dass es sich um zwei verschiedene Phänomene handelt. Bei genauerer Betrachtung sind sie jedoch ein und dasselbe. Einst wurden so ziemlich beide Begriffe vielfach verwendet, was dazu führte, dass in den siebziger Jahren der Begriff „Schärfentiefe“ als Norm definiert wurde. In der Umgangssprache wird die Tiefenschärfe jedoch ebenso häufig verwendet. Beide Begriffe beschreiben also das Gleiche.



Wodurch wird die hohe Tiefenschärfe beeinflusst?

Die Schärfentiefe ist, wie bereits erwähnt, ein sehr beeinflussbares Phänomen. Daher ist es nicht überraschend, dass es nicht nur einen Faktor gibt, der sie beeinflussen kann, sondern eine Vielzahl von verschiedenen Aspekten. Angefangen bei den Einstellungen bis hin zu der Ausrüstung, die man verwendet.


Blende

Einer der wichtigsten und zugleich offensichtlichsten Faktoren ist die Blende. Diese beeinflusst die Schärfentiefe sehr gezielt. Bei einem niedrigen Blendenwert wird der fokussierte Bereich verkleinert, was bedeutet, dass keine große Schärfentiefe mehr vorhanden ist. Wenn ein Objekt mit einer solchen Blende fokussiert wird, ist nur ein kleiner Bereich scharf, der Rest ist mehr oder weniger unscharf. Diese Einstellung wird häufig verwendet, um die Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Merkmal zu lenken.

Wird die Blende jedoch geschlossen, nimmt auch die Schärfentiefe zu. Dies ist ab einer Blende von f 10 deutlich sichtbar. In manchen Fällen kann dadurch ein Teil des Vordergrunds, aber auch der Hintergrund einigermaßen scharf abgebildet werden. Je größer der Blendenwert, d. h. je kleiner die Blendenöffnung, desto größer ist der Schärfebereich. Es ist jedoch zu beachten, dass bei einer zu stark geschlossener Blende Beugungsunschärfe auftreten kann. Dies kann dazu führen, dass die Grundschärfe etwas reduziert wird, obwohl der abgedeckte Bereich maximiert wird.


Brennweite des Objektivs

Ein weiterer Aspekt ist die Brennweite, die die Schärfentiefe stark beeinflussen kann. Logischerweise spielt hier das Objektiv eine wichtige Rolle, denn es bestimmt den Brennweitenbereich. Hat man ein Objektiv mit einer langen Brennweite, z. B. 100 mm oder noch mehr, ist es fast unmöglich, gleichzeitig den Vordergrund aber auch den Hintergrund abzubilden. Der Abstand zwischen diesen Elementen ist unglaublich groß, was das Objektiv physikalisch nicht bewältigen kann. Fotografiert man jedoch nur etwas im Hintergrund, werden die meisten Bereiche relativ gleichmäßig scharf abgebildet, da der Abstand zwischen ihnen nicht so groß ist. Fokussiert man mit einer langen Brennweite ein Objekt, das sich nahe am Objektiv befindet, ist der Hintergrund in der Regel völlig unscharf, wenn nicht sogar einfarbig. Dieser Effekt wird häufig in der Porträtfotografie verwendet.
Benutzt man dagegen ein Objektiv mit einer kurzen Brennweite, z. B. ein Weitwinkelobjektiv, ist die Schärfentiefe viel größer. Daher ist es entscheidend, welches Objektiv und vor allem welche Brennweite man verwendet, um eine hohe Schärfentiefe zu erzielen.


Abstand zum Motiv

Die Entfernung zum Motiv ist in manchen Fällen ein weiterer Faktor, der die Schärfentiefe beeinflussen kann. Steht man sehr nahe an einem Motiv und stellt gleichzeitig den Fokus auf das Zielobjekt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass der Hintergrund nicht mehr scharf ist. Der Abstand von der Kamera zum Motiv und vom Motiv zum Hintergrund spielt eine wichtige Rolle. Wenn der Abstand von der Kamera zum Motiv sehr gering ist, ist auch die Schärfentiefe recht gering. Wird der Abstand zum Motiv vergrößert, erhöht sich die Schärfentiefe automatisch bis zu einem gewissen Punkt. Darüber hinaus spielen die bereits erwähnten Punkte weiterhin eine wichtige Rolle. Für eine hohe Schärfentiefe empfiehlt sich immer ein größerer Abstand zum Motiv.

Hohe Schärfentiefe Abstand

Sensor Größe 

Die Sensorgröße kann in einigen Fällen die Schärfentiefe zusätzlich zu den bereits erwähnten Punkten beeinflussen. Ist der Sensor kleiner, führt dies zu einer größeren Schärfentiefe. Dies ist besonders bei Kompaktkameras oder Smartphones sichtbar. Hier wird das Motiv oft durchgehend scharf abgebildet. Je größer der Sensor, desto größer sind die Möglichkeiten, die Schärfentiefe zu steuern und zu variieren.


Tipps für eine hohe Schärfentiefe

Hat man mit den oben genannten Kameraeinstellungen das Maximum erreicht, stellt sich die Frage, wie man eine hohe Schärfentiefe weiter steigern kann. Es gibt eine Reihe von Techniken, die genau das zu erreichen versprechen. Einige davon lassen sich mit wenigen Kameraeinstellungen erreichen, andere erfordern gute Nachbearbeitungskenntnisse. Am besten ist es jedoch, die Techniken auszuprobieren, um zu sehen, welche für die eigene Fotografie in der Praxis am besten funktioniert.


Hohe Schärfentiefe 01

Blende sinnvoll einsetzen

Dieser Punkt ist zwar relativ klar, denn die Blende ist der Hauptfaktor für die Schärfentiefe. Dennoch ist dieser Punkt gerade deshalb enorm wichtig. Oft widersprechen sich einige Kameraeinstellungen oder Objektivspezifikationen. Einerseits will man ein sehr lichtstarkes Objektiv, am besten mit einer Offenblende von mindestens 2,8, andererseits will man, dass alle Bereiche des Bildes scharf sind. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass nicht alle Vorteile eines Objektivs gleichzeitig genutzt werden können. Eine geschlossene Blendenöffnung kann viel Schärfentiefe erzeugen, vorausgesetzt, man kennt das Objektiv und ist sich bewusst, dass dies nicht unbedingt bedeutet, dass man die Blende verwendet, die die besten Ergebnisse liefert.

Bei den meisten Objektiven sind 2-3 Blendenwerte diejenigen, die den Schärfebereich am besten abbilden. Bewegt man sich außerhalb dieses Bereichs, erreicht man zwar eine hohe Schärfentiefe, aber die Schärfe selbst nimmt im Hauptbereich etwas ab. Deshalb solltest du dir Gedanken über dein eigenes Objektiv machen und darüber, wie weit du die Blende schließen möchtest. Dazu muss man sich überlegen, ob ein größerer Bereich einigermaßen scharf sein soll oder ob der fokussierte Bereich die bestmögliche Schärfe haben soll.


Hohe Schärfentiefe 02

Hyperfokale Distanz

Die Hyperfokale Distanz ist eine der hilfreichsten Methoden, wenn es darum geht, das Bild so scharf wie möglich zu machen. Es ist sinnvoll, die Blende mit dieser Technik zu kombinieren. Ziel ist es, den Punkt zu bestimmen, an dem sich der Fokuspunkt befinden muss, damit alles direkt vor der Kamera bis unendlich scharf ist. Da man natürlich vermeiden möchte, die Blende voll aufzudrehen, ergibt sich die hyperfokale Entfernung aus der Blende, der Brennweite und dem Objektiv. Aus diesen drei Faktoren lässt sich die Entfernung berechnen, die fokussiert werden muss.

Formel: Hyperfokale Entfernung = (Brennweite² / Blende*Diffusionskreisdurchmesser)+Brennweite.

Hier geht es zu einem ausführlichen Bericht über die hyperfokale Entfernung. Mit ausführlicher Anleitung und Beschreibung, wie der Wert mit der eigenen Kamera ermittelt werden kann. Es gibt auch eine passende Liste für verschiedene Brennweiten, um den Abstand ganz einfach zu bestimmen.


Focus Stacking

Eine weitere Methode für maximale Schärfe ist Focus Stacking. Dieser Tipp ist wichtig, weil man damit nicht nur das gesamte Bild im Fokus abbilden, sondern auch die maximale Schärfe erreichen kann. Das Verfahren ist relativ einfach: Man stellt die Kamera auf das Stativ und sucht sich eine schöne Komposition. Anschließend macht man mehrere Aufnahmen, jede mit einem anderen Fokuspunkt. Je mehr Punkte oder Einzelbilder geschossen werden, desto genauer kann später der Fokus bestimmt werden.

Anschließend werden die Einzelbilder in der Nachbearbeitung kombiniert und zu einem einzigen Bild zusammengefügt. Das Besondere dabei ist, dass nur die scharfen Bereiche aus jedem Einzelbild verwendet werden. So wird sichergestellt, dass das Endergebnis die bestmögliche Schärfe aufweist.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass es von Bedeutung ist, die Einzelbilder bewusst aufzunehmen. Wenn ein Bereich nicht richtig abgedeckt wird, kann das später im Prozess alles erschweren. Deshalb empfiehlt es sich, vor allem im Vordergrund mehr Fokuspunkte zu setzen, damit dort später alles scharf ist. Für den Hintergrund reichen deutlich weniger Bilder aus.

Für eine genauere Anleitung gibt es einen ausführlichen Bericht über Focus Stacking!

Hohe Schärfentiefe Focus Stacking

Worauf sollte bei den Methoden geachtet werden?

Die aufgeführten Methoden können alle sehr hilfreich sein, wenn es darum geht, die Schärfentiefe zu erhöhen. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, wo die Grenzen liegen und ob es irgendwelche Nachteile gibt. Eine weit geschlossene Blende ist schnell anfällig für Beugungsunschärfe, aber auch riskant, weil man sich in einem Bereich befindet, in dem viele Objektive nicht die beste Leistung erbringen.
Es lohnt sich also abzuwägen, was für das Bild wichtiger ist.

Ähnlich verhält es sich mit dem hyperfokalen Abstand, dieser ist zwar sehr hilfreich, um eine hohe Schärfentiefe zu erzeugen, aber die Herangehensweise erfordert recht viel Erfahrung, bis man so weit sicher ist und die Abstände recht intuitiv bestimmen kann, ohne jedes Mal rechnen zu müssen. Im besten Fall kann man die Werte so einstellen, dass man sie für die jeweiligen Brennweiten immer parat hat.


Wann ist eine hohe Schärfentiefe relevant?

Eine hohe Schärfentiefe ist nicht per se ein Merkmal für ein gutes Foto. Sie ist vielmehr der Anspruch des Fotografen, ein bereits gelungenes Motiv oder eine Komposition bestmöglich darzustellen. Deshalb ist es wichtig zu hinterfragen, wann eine hohe Schärfentiefe relevant ist. Es gibt nämlich durchaus Bereiche, in denen die sogar nachteilig ist.


Landschaftsfotografie

In der Landschaftsfotografie ist die große Schärfentiefe besonders attraktiv. Häufig versucht man nämlich, die Landschaft so abzubilden, wie man diese vor sich hat. Ein beliebtes Stilmittel ist die Verwendung des Vordergrunds zum Aufbau der Komposition. Dieser Ansatz ist sehr weit verbreitet und hat den logischen Anspruch, sowohl den Vordergrund als auch die Hintergrundlandschaft bestmöglich darzustellen. Daher sind so ziemlich alle drei der oben genannten Methoden zur Erhöhung der Schärfentiefe in der Landschaftsfotografie sehr verbreitet.

Hohe Schärfentiefe Landschaftsfotografie

Makrofotografie

Ein Spezialgebiet, das oft an die Grenzen der Technik stößt, ist die Makrofotografie. Wenn man so nah an einem Objekt steht, dass man es abbilden will, ist es oft schwierig, das gewünschte Objekt ganz scharf abzubilden, aber gleichzeitig den Hintergrund unscharf zu lassen. Oft kommt es vor, dass das gewünschte Motiv im hinteren Bereich bereits beginnt, unscharf zu werden. Da in der Makrofotografie alles eine Frage von Millimetern ist, tritt eine solche Unschärfe-Situation sehr schnell ein. Um eine hohe Schärfentiefe der Objekte zu erreichen, wird oft Focus Stacking eingesetzt.


Architekturfotografie

Die Architekturfotografie ist der Landschaftsfotografie in einigen Bereichen recht ähnlich, zumindest wenn es darum geht, alles perfekt abzubilden. Denn darum geht es oft. Man hat ein Gebäude oder einen Raum, der bis ins kleinste Detail wiedergegeben werden soll. Eine geringe Schärfentiefe ist hier eher hinderlich. Macht man viel Architekturfotografie, wird man um die bereits erwähnten Methoden nicht herumkommen.


Hohe Schärfentiefe: Fazit

Eine große Schärfentiefe kann in vielen Bereichen der Fotografie nützlich oder notwendig sein. Einerseits muss man viel über seine Kamera und die Auswirkungen ihrer Einstellungen wissen. Andererseits ist es wichtig, sich zu fragen, ob jedes Bild die höchste Schärfentiefe braucht und wann es sinnvoll ist, sie anzustreben.

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