Blende 8 und ISO 100, das sind die Kameraeinstellungen, die für viele Landschaftsfotografen quasi in Stein gemeißelt sind. In den Köpfen vieler Fotografen sind diese Werte inzwischen regelrecht eingebrannt, doch die meisten wissen gar nicht, warum diese Werte so wichtig sind. Der niedrige ISO-Wert ist wegen des Rauschens einleuchtend. Doch warum die Blende? In diesem Zusammenhang fällt relativ schnell der Begriff „Beugungsunschärfe“.

Mit dem Schließen der Blende versucht man normalerweise, möglichst einen großen Bereich des Bildes scharf zu bekommen. Weshalb aber sollte man in diesem Fall nur bis f 8 und nicht bis f 20 gehen? Wird das Bild dadurch nicht maximal scharf? In den Augen vieler Fotografen ist das nicht der Fall, denn ab einem bestimmten Wert tritt Beugungsunschärfe auf und das Bild wird nicht schärfer, sondern sogar eher unscharf. Aber entspricht das wirklich der Realität oder ist es ein Mythos?


Wie entsteht Beugungsunschärfe?

Die Beugung wird hauptsächlich durch die Blende beeinflusst. Das heißt, je weiter man die Blende schließt, desto schneller kommt man in den Bereich, in dem die Schärfe zunimmt. Es ist gut erkennbar, dass Objektive einen Bereich haben, in dem die Leistung am höchsten ist. Normalerweise liegt er im Bereich von 2 bis 3 Blendenstufen. Welche Werte das sind, hängt natürlich vom Objektiv ab und ist variabel.

Sobald man auf ein Objekt fokussiert, ist die Blende irrelevant, da die Schärfe am eingestellten Punkt liegt. Ziel ist es natürlich, den Bereich vor und hinter dem Objekt so scharf wie möglich abzubilden. Das kann man nur durch Schließen der Blende erreichen. Die Schärfe im Schärfepunkt ist immer am höchsten, die Bereiche vor und hinter dem Motiv sind zwar sichtbar scharf, aber nicht so scharf wie der Kern. Man kann sich das wie zwei gekreuzte Linien vorstellen. An dem Punkt, an dem sich die Linien schneiden, ist die Schärfe am höchsten und links und rechts davon nimmt sie stetig ab.

Bei der Beugung ist es so, dass sich die Linien ab einer bestimmten Blende krümmen und somit kein exakter Schnittpunkt erreicht wird. Sie kommen sich zwar extrem nahe, aber nicht bis zu dem Schnitt, der notwendig wäre, um die gewohnte Schärfe zu erzeugen. Dadurch ergibt sich ein extrem großer Schärfebereich, aber der Zenit ist kleiner, was die Schärfe feiner Details reduziert.


Warum kann man die Blende nicht maximal schließen?

Die Blende kann mit dem Maximalwert verwendet werden, aber die Bildschärfe ist in diesem Bereich nicht die höchste, daher ist es nicht empfehlenswert, das Objektiv in diesem Bereich zu verwenden. Es gibt Situationen, in denen eine stark geschlossene Blende notwendig ist, in diesem Fall muss man die Beugung in Kauf nehmen.

Es ist also nicht die Frage, wie weit man die Blende schließen kann, sondern mit welcher Leistung des Objektivs man arbeiten möchte. Möchtest du den idealen Punkt erreichen und die beste Schärfe aus dem Objektiv herausholen, oder möchtest du die Vorteile einer geschlossenen Blende mit Abstrichen bei der maximalen Leistung genießen. In diesem Fall kommt es auf den Kompromiss an, den man bereit ist, einzugehen.


Wann ist die Beugungsunschärfe relevant?

Grundsätzlich ist die Beugungsunschärfe relevant, wenn es um feine Details geht, die unbedingt klar und scharf sein müssen. Oft gibt es Bereiche, in denen es wichtig ist, dass der Gesamteindruck stimmt und nicht jedes einzelne Pixel perfekt sein muss. Es gibt aber auch Ausnahmen, wo genau diese feinen Details den Unterschied ausmachen, ob das Bild gelungen ist.


Langzeitbelichtung

Ein wichtiges Thema ist die Langzeitbelichtung am Tag. Da tagsüber sehr viel Licht vorhanden ist, muss die Blende sehr stark geschlossen werden, um die Belichtungszeit entsprechend verlängern zu können. Dies ist vor allem in der Landschaftsfotografie üblich, wenn man Elemente wie Wasser hat und diese glätten möchte, um Dynamik im Bild zu erzeugen.

Hier ist die Beugungsunschärfe ein relevantes Thema, denn um die Belichtungszeit so stark zu verlängern, muss man mit einer Blende von f 22 arbeiten. Hier kann man zu 100% sicher sein, dass die Beugungsunschärfe einsetzt. Deshalb ist es besser, statt einer geschlossenen Blende Graufilter zu verwenden. Man sollte die Blende verwenden, bei der das Objektiv die besten Ergebnisse liefert und die Belichtungszeit mit einem geeigneten Graufilter verlängern. Diese gibt es in verschiedenen Stärken, so dass man trotz der festen Blende die Belichtungszeit flexibel verlängern kann, vorausgesetzt man hat verschiedene Graufilter.


Makrofotografie

Die Makrofotografie ist ein Bereich, in dem die Details sehr wichtig sind. Meist bewegt man sich im Millimeterbereich und jede Unstimmigkeit ist sichtbar. Da die Naheinstellgrenze der Objektive weitgehend ausgereizt wird, ist die Tiefenschärfe extrem. Alles, was nicht genau auf der Schärfeebene liegt, wird äußerst unscharf. Daher ist es oft schwierig, ein Objekt von vorne bis hinten scharf zu stellen.

Wenn man nun die Blende so weit schließt, dass der Bereich vergrößert wird, um alles einigermaßen scharf zu bekommen, hat die Beugungsunschärfe einen sehr starken Effekt. Das liegt daran, dass im Makrobereich die Details alle deutlich sichtbar sind. Das heißt, selbst wenn sie anfangen, unscharf zu werden, ist es viel einfacher zu erkennen.

Die Lösung für Makrofotografen ist in den meisten Fällen Focus Stacking. Das liegt daran, dass man durch das Schließen der Blende nie die gewünschte Schärfe und vor allem nicht die durchgängige Schärfe erreichen wird. Hier ist die Vorgehensweise ähnlich, man wählt die Blende, bei der das Objektiv die beste Leistung bringt. Anschließend wendet man Focus-Stacking an und verschiebt den Fokus von vorne nach hinten und setzt die verschiedenen Bilder so zusammen, dass man eine perfekte Makroaufnahme erhält, ohne Beugungsunschärfe zu riskieren.


Blendensterne

Bei extrem geschlossener Blende kann daher von einer Unschärfe ausgegangen werden. In der Tat gibt es auch Situationen, in denen die Blende stark geschlossen sein muss, um das Foto überhaupt machen zu können. Wir sprechen hier von Sonne oder anderen hellen Sternen. Hat man eine starke Lichtquelle im Bild wie die Sonne oder auch eine Straßenlaterne, dann wird das Licht bei geschlossener Blende zu einem Stern. Dies ist ein sehr beliebtes Element vor allem in der Landschaftsfotografie, aber auch bei Aufnahmen während der blauen Stunde. Mit einer offenen Blende kann man diesen Look nicht erreichen, also muss man auch einen hohen Blendenwert nehmen. In diesem Fall muss man unter Umständen Beugungsunschärfe in Kauf nehmen. Die einzige Alternative wäre, zwei Aufnahmen zu machen, eine mit einer Blende von f8 und die andere mit einer Blende von f22. Dann müssen die beiden Aufnahmen in Photoshop durch Überblenden der Lichtsterne zusammengefügt werden. Auf diese Weise könnte man mit etwas mehr Aufwand trotzdem sowohl einen Sonnenstern als auch eine schärfere Aufnahme erhalten.

Sonnenstern fotografieren Beugungsunschärfe

Kann man die Unschärfe korrigieren?

Viele Programme bieten die Möglichkeit, ein Bild nachträglich zu schärfen. Das funktioniert oft erstaunlich gut, vorausgesetzt, das Bild ist nicht komplett unscharf. Ähnlich verhält es sich mit der Beugungsunschärfe. Die Kanten können etwas geschärft werden, aber die Unschärfe innerhalb einer Fläche kann nicht wiederhergestellt werden, da die notwendigen Informationen nicht vorhanden sind. Das bedeutet, dass man das Bild durchaus ein wenig nachschärfen kann, aber man wird nicht das gleiche Ergebnis erzielen können, als wenn die Details zu 100 % korrekt fotografiert worden wären.

Letztlich ist es eine persönliche Entscheidung, wie viel gut genug ist und ob es für die Praxis relevant ist.


Wovon hängt die Beugungsunschärfe ab?

Die Beugung bei geschlossener Blende tritt nicht bei allen Kameras oder Objektiven gleichermaßen auf. Es gibt zwei wichtige Faktoren, die bestimmen, wie stark sich dieses Phänomen bemerkbar macht.


Sensor

Der Sensor und auch die damit verbundene Auflösung ist ein wichtiger Faktor. Dabei ist die Ausprägung der Beugung zwischen APS-C, Vollformat und Mittelformatkameras sehr unterschiedlich. Zumal die Auflösung bei den einzelnen Kameras unterschiedlich sein kann. Beim Vollformat gibt es schon einige Unterschiede, so kann man zwischen 24, 42 oder sogar 60 Megapixeln wählen. Das hängt natürlich auch vom Hersteller ab. Aber in der Regel liegen die meisten Modelle in diesem Bereich.

Durch die hohe Auflösung auf dem Sensor kommt es aber zu einer deutlich höheren Beugungsunschärfe. Der Effekt ergibt sich aus den Abständen zwischen den einzelnen Pixeln auf dem Sensor, wenn nun der Sensor gleich groß bleibt, nimmt die Anzahl der Pixel zu, so ist es logisch, dass auch die Anzahl der Abstände zwischen den Pixeln zunimmt.

Daher ist es unbedingt notwendig, für hochauflösende Kameras ein entsprechendes Objektiv zu verwenden, das mit dieser Auflösung umgehen kann.


Sony Alpha 7 III | Spiegellose Vollformat-Kamera

  • 24,2 Megapixel
  • 2160p Auflösung bei Videoaufnahmen
  • 0.65 kg

Objektiv

Neben der Auflösung ist auch das Objektiv ein wichtiger Faktor. Wie bereits erwähnt, wenn die Kamera eine hohe Auflösung hat, sollte das Objektiv entsprechend gebaut sein und auch diese Anzahl von Pixeln auflösen.

Interessant ist, dass die Beugungsunschärfe bei guten Objektiven viel früher einsetzt. Das bedeutet, dass die hervorragende Leistung solcher Objektive im Anfangsbereich bis ca. f/11 zu finden ist. Dies ist natürlich objektivabhängig. Bei schlechten Objektiven setzt die Beugung viel später ein, weil die durchgehende Leistung viel geringer ist und der Einfluss der Beugungsunschärfe dementsprechend viel später eintritt.

Da die Beugung eine physikalische Grenze ist, ist die Leistung der meisten Objektive bei f 22 fast identisch. Die Leistungsfähigkeit der Objektive nimmt bis zu diesem Blendenwert in einer Kurve ab. So dass sich die meisten dort sehr stark annähern. Das heißt aber nicht, dass alle Objektive leistungsmäßig in der gleichen Liga spielen, die Anfangswerte zwischen f2,8 und f9 sind in der Tat signifikant, und die Leistungsunterschiede sind hier sehr sichtbar.


Ab wann tritt die Unschärfe ein?

Wann Beugung auftritt, kann nicht allgemein beantwortet werden. Wie bereits erwähnt, hängt dieses Phänomen zum einen von der Kamera und deren Auflösung und zum anderen vom Objektiv und dessen Konstruktion ab. Daher ist es ratsam, einfach das vorhandene Objektiv und die Kamera zu testen. Mit mehreren Belichtungen, jeweils mit einer anderen Blende, kann man grob abschätzen, wann die Beugung sichtbar wird bzw. wie stark sie ausgeprägt ist. Es kann durchaus sein, dass die Stärke für die Praxis erträglich ist und man damit arbeiten kann.

Beugungsunschärfe Landschaft

Im gleichen Test sollte man sich aber eher auf den Bereich konzentrieren, in dem das Objektiv am stärksten ist. Oft handelt es sich dabei um 2 bis 3 Blendenwerte, die besonders gut sind. So kann man das Objektiv viel gezielter einsetzen und die maximale Qualität erreichen.


Gibt es Objektive und Kameras ohne Beugung?

Die Beugung ist wie eine physikalische Grenze zu betrachten. Sie kann sich je nach Kamera und deren Auflösung ein wenig verschieben, aber sie ist immer vorhanden. Das bedeutet, dass kein Objektiv und keine Kamera von ihr ausgenommen ist. Oft tritt selbst bei guten Objektiven und hochauflösenden Kameras die sichtbare Beugung viel früher auf. Da diese Objektive bereits bei den ersten Blendenwerten eine hervorragende Leistung zeigen, ist der Abfall ab einem zweistelligen Blendenwert noch deutlicher sichtbar. Beugungsunschärfe existiert also und ist nicht nur ein Mythos. Die Frage ist nur, wann sie sichtbar wird und ob man als Fotograf mit diesem Leistungsabfall leben kann.

Es gibt weder eine spezielle Kamera noch ein leistungsstarkes Objektiv, das nicht davon betroffen ist. Selbst Geräte mit Beugungskorrektur können das nicht zu 100% kompensieren. Das liegt daran, dass nur die Kanten geschärft, jedoch die unscharfe Struktur nicht wiederhergestellt werden kann.


Fazit

Die Beugungsunschärfe ist sicherlich kein Mythos, denn sie ist eine physikalische Tatsache. Sie lässt sich nicht wirklich vermeiden, egal welche Ausrüstung man verwendet. In der Praxis ist es jedoch eine Frage, wann man mit der Qualität nicht mehr arbeiten kann oder ob sie überhaupt nicht sichtbar ist. Nicht nur die Ränder des Bildes können weicher werden, sondern auch die Mitte des Bildes. Das liegt daran, dass die Beugungsunschärfe oft die Bereiche betrifft, die sonst die beste Bildqualität liefern würden.

Deshalb ist es am besten, alle Blenden auszuprobieren, die für die eigenen Bereiche relevant sind. Auf diese Weise kann man selbst sehen, ob der Qualitätsverlust tolerierbar ist. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass man relativ leicht herausfinden kann, welche Werte besonders gut sind.