“Schönes Bild, bis auf den falschen Sonnenstern!” Solche Kommentare sind nicht selten, denn um Sonnensterne fotografieren zu können, braucht es einiges an Know-how. Ein makelloser Sonnenstern, frei von jeglichen Flecken und Sonnenflares ist für viele Fotografen ein absolutes Muss für ein gelungenes Foto. Doch das lässt sich nie so einfach erreichen. Entweder steht die Sonne nicht an der richtigen Stelle oder sie ist gar nicht präsent genug, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Kein Wunder also, dass der perfekte Sonnenstern in seiner Natürlichkeit oft angezweifelt wird. Doch wie erstellt man einen schönen Lichtstern und was braucht man dafür?


Wie werden Sonnensterne gebildet?

Grundsätzlich muss erwähnt werden, dass die Bezeichnung “Sonnenstern” diesen Effekt nicht zutreffend beschreibt. Denn eigentlich handelt es sich um einen ” Blendenstern”. Das macht die Entstehung des Effekts etwas leichter verständlich. Es ist nicht die Sonne, die den Stern primär erzeugt, sondern die Blende der Kamera.

Ist die Blende der verwendeten Kamera maximal geöffnet, dann fällt sehr viel Licht in die Kamera und jede Lichtquelle wird als heller weicher Punkt dargestellt. Wird die Blende stufenweise geschlossen, wird die vermeintliche Lichtquelle mehr und mehr zu einem Stern. Ab welcher Blende der Stern sichtbar wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Einerseits ist die Lichtquelle relevant. Wenn die Lichtquelle nicht stark ist, kann sich nicht ohne weiteres ein Stern bilden. Andererseits ist die Konstruktion der Linse ein sehr wichtiger Faktor. Denn die Lamellen der Linse sind maßgeblich an der Entstehung des Sterns beteiligt. Das liegt daran, dass das Licht an den Kanten der geschlossenen Blende gebeugt wird, wodurch der Sonnen- oder Blendenstern entsteht. Wenn die Lamellen rund sind, kann sich kein Stern bilden. Nur wenn die Lamellen beim Schließen ein Vieleck bilden, was bei den meisten Objektiven der Fall ist, entsteht der gewünschte Effekt.


Kann jedes Objektiv Sonnensterne erzeugen?

Im Prinzip erzeugen die meisten Objektive bei geschlossener Blende einen Sonnenstern. Es ist jedoch zu beobachten, dass diese nicht bei allen Objektiven gleich aussehen und dass ihre Intensität variiert. Daher gibt es Objektive, bei denen der Effekt so gering ist, dass man als Liebhaber dieses Elements nicht zufrieden sein kann. Die starken Unterschiede ergeben sich aus der unterschiedlichen Konstruktion der Objektive. Deshalb ist es sogar möglich, den Objektivhersteller anhand des Sterns zu bestimmen.

Die Anzahl der Lamellen ist ein sehr wichtiger Faktor, wenn es um das Aussehen der Sterne geht. Wenn die Anzahl der Lamellen ungerade ist, zum Beispiel neun oder elf. So erzeugen diese die doppelte Anzahl an Lichtstrahlen und der Stern wird dadurch viel dichter. Ist die Anzahl der Lamellen gerade, wird die gleiche Anzahl von Strahlen erzeugt, der Stern hat also viel weniger Fläche. Die meisten Linsen können also einen Stern erzeugen, die Frage ist nur, wie stark dieser ausgeprägt ist und wie schön er erscheint. Die Schönheit liegt dabei immer im Auge des Betrachters.


Fotografieren von Sonnensternen mit den richtigen Kameraeinstellungen

Bei den Kameraeinstellungen müssen, im Gegensatz zu vielen anderen Effekten, relativ wenige spezielle Anpassungen vorgenommen werden. Unumgänglich ist jedoch der Kameramodus. Fotografiert man im automatischen Kameramodus, ist es fast unmöglich, eine Aufnahme mit einem Blendendsten zu erzielen.

Denn die Einstellungen werden willkürlich gewählt. Außerdem versucht die Kamera immer, so viel Licht wie möglich in die Kamera zu lassen, daher ist die Blende meist extrem weit offen. Dadurch können keine Sonnensterne fotografiert werden. Die erste und obligatorische Kameraeinstellung ist daher der manuelle Kameramodus.

Der zweite wichtige Faktor ist, wie bereits gelernt, die Blende. Da das Ziel ein Sonnenstern ist, müssen sich oft alle anderen Kameraeinstellungen der Blende unterordnen. Deshalb sollte die Blende mindestens auf einen Wert von f 16 geschlossen werden. In der Regel fangen die meisten Objektive bereits hier an, Sonnensterne zu produzieren. Reicht das nicht aus, kann man unter Umständen bis f 18 gehen. Es ist wichtig zu erwähnen, dass bei diesen Blendenwerten die Bildqualität etwas beeinträchtigt werden kann. Die meisten Objektive sind in diesem Bereich nicht optimal. Allerdings kommt man, wenn man Sonnenstern fotografieren will, kaum um diese Werte herum.

Ausgehend von der Blende müssen sowohl ISO als auch Belichtungszeit angepasst werden. Dies ist insofern nicht allgemeingültig zu bestimmen, weil unterschiedliche Motiv- oder Lichtsituationen unterschiedliche Einstellungen erfordern. Dem Histogramm sollte immer Beachtung geschenkt werden, da beim Fotografieren von Sonnenlicht immer ein hoher Dynamikumfang gefordert wird, so dass es oft zu überbelichteten Bereichen kommen kann.


Objektive mit schönen Blendensternen

Sony FE 24-70 mm f/2.8 GM

  • Max. Brennweite: 70 Millimeter
  • Lamellen: 11
  • Blendendstern: 22 feine Strahlen


Canon Zoomobjektiv RF 24-105mm F4L IS USM

  • Max. Brennweite: 105 Millimeter
  • Lamellen: 9
  • Blendendstern: 18

Nikon NIKKOR Z 35 mm 1:1,8 S

  • Max. Brennweite: 35 Millimeter
  • Lamellen: 9
  • Blendenstern: 18

Muss es immer die Sonne sein?

Wie bereits erwähnt, ist der Begriff “Sonnenstern” in diesem Zusammenhang nicht ganz korrekt. Denn im Endeffekt erzeugt die Blende diese Erscheinung. Interessant ist auch, dass man bei Vollmond sogar den Mond zu einem Stern formen kann, wenn die Blende ausreichend geschlossen ist. Natürlich muss der Mond ausreichend hell im Bild platziert sein, um genügend Licht für einen Blendenstern zu liefern.

Der Klassiker ist jedoch die Straßenbeleuchtung, die in der Dämmerung oder während der blauen Stunden fotografiert wird. Hier werden oft Blendensterne verwendet. Fast jede Laterne erzeugt einen eigenen Blendenstern. Interessant ist, dass auch die Reflexionen von starken Lichtquellen einen zweiten Stern verursachen können. Dies kann entweder die Reflexion im Wasser oder auf einer anderen glatten Oberfläche sein.

Bemerkenswert ist, dass manche Objektive so empfindlich auf Blendensterne reagieren, dass selbst beim Fotografieren des Nachthimmels die einzelnen Sterne kleine zusätzliche Sternchen erzeugen. Dies geschieht zwar selten und nur bei sehr hell leuchtenden Sternen, dennoch ist es ein schönes Element, das selten Beachtung findet, denn in der Regel wird immer nur die Sonne zu einem Stern geformt.

Sonnensterne fotografieren Blaue Stunde

Wo können Sonnensterne eingesetzt werden?

Das Stilmittel kann universell eingesetzt werden. Die größte Beliebtheit genießt das Element in der Landschaftsfotografie. Hier hat man oft die Sonne im Bild, daher bietet es sich an, das Element einzusetzen. Darüber hinaus ist es oft eine Möglichkeit, ein Bild aufzuwerten, wenn die Lichtstimmung nicht ideal ist oder die Sonne bereits aufgegangen ist. Durch geschickte Positionierung kann auch bei schlechten Lichtverhältnissen ein gelungenes Foto entstehen.

Aber auch beim Fotografieren von Menschen kann der Blendenstern sehr gut inszeniert werden. Hier ist es immer ratsam, einen Blickwinkel zu wählen, bei dem die Sonne an einer Kante gebrochen wird. So ist es viel einfacher, auch bei direkter Sonneneinstrahlung einen Sonnenstern zu erzeugen. Besonders das Fotografieren mit Gegenlicht, bietet sich sehr oft an.

Äußerst beliebt ist auch der Einsatz beim Fotografieren während der blauen Stunde. Das Besondere daran ist, dass die Sonne bereits untergegangen ist, aber noch genügend Umgebungslicht vorhanden ist, um die Kameraeinstellungen so zu wählen, dass kein Rauschen entsteht. Außerdem sind zu dieser Zeit schon alle Laternen an, die ideal sind, um Blendensterne zu erzeugen. In diesem Fall hat man in der Regel mehrere Lichtpunkte, die alle einen Stern darstellen können.


Fotografieren von Sonnensternen: Worauf muss man achten?

Kamera einschalten, Blende schließen und los! Das klingt sehr einfach, doch in der Praxis wird man schnell feststellen, dass dieser Effekt nicht immer leicht zu meistern ist. Zwar ist die technische Voraussetzung klar und die Kameraeinstellungen schnell gewählt. Doch oft ergeben sich daraus viele weitere Aspekte, die nicht immer einfach zu handhaben sind. Die folgenden Tipps können beim Fotografieren von Sonnensternen helfen.


Brechung des Lichts

Obwohl das Licht durch die geschlossene Blende gebrochen wird, was den Stern erzeugt, gibt es eine weitere Möglichkeit, sich das Leben leichter zu machen. Wenn die Blende geschlossen ist und immer noch kein richtiger Stern zu sehen ist, lässt sich die Position der Kamera so wählen, dass sich ein anderes Objekt vor der Lichtquelle befindet.

Wählt man nun die eigene Position so, dass sich die Lichtquelle genau an der Kante des besagten Objekts befindet, so wird das Licht an dieser Stelle bereits gebrochen, was das Fotografieren eines Sonnensterns deutlich erleichtert. Dieser Tipp ist sehr einfach umzusetzen, denn meist findet man im Vordergrund ein Objekt, welches man für diesen Zweck nutzen kann.


Ohne Stativ geht nichts

Es ist nicht nur in der Landschaftsfotografie das wichtigste Element neben der Kamera. In diesem Fall spielt auch das Stativ eine sehr wichtige Rolle, denn bei einer so stark geschlossenen Blende hat das zur Folge, dass sich gleichzeitig auch die Belichtungszeit deutlich verlängert. Damit das Bild am Ende nicht völlig verschwommen aufgenommen wird, ist es wichtig, die Kamera auf einem Stativ zu fixieren. So kann man nämlich sicherstellen, dass am Ende ein scharfes Bild entsteht.

Zumal man beim Erstellen von Sonnensternen sehr oft mehrere Aufnahmen macht und diese später in der Nachbearbeitung zusammenfügt. Dazu müssen alle Bilder deckungsgleich sein, sonst können sie in der Nachbearbeitung nicht zusammengefügt werden. Außerdem lassen sich die Kameraeinstellungen viel flexibler wählen. Auf dem Stativ kann man den Iso-Wert viel niedriger halten, als wenn das Ganze von Hand fotografiert werden müsste.


Sauberhalten der Frontlinse

Es ist generell ratsam, die Fotoausrüstung sauber und gut gewartet zu halten. Beim Fotografieren von Sonnensternen ist es noch viel wichtiger. Wenn die Frontlinse verschmutzt ist, kann das zu Flecken auf dem Bild führen. Außerdem wirkt das starke Sonnenlicht viel stärker auf die Flecken ein. Daher ist es ratsam, besonders die Frontlinse des Objektivs stets sauber zu halten. Für diesen Zweck ist es wichtig, das Objektiv auf korrekte Weise zu reinigen, damit die Flecken nicht verschlimmert werden und die Oberfläche des Objektivs nicht zerkratzt wird.


Sonnensterne zu fotografieren ist nicht alles

Sonnensterne sind ein sehr schönes Element, das in der Fotografie gezielt eingesetzt wird. Wichtig ist es zu beachten, dass es nur ein Stilmittel ist, das meist nur in Kombination mit einem passenden Motiv funktioniert. Es ist viel wichtiger, ein gutes Motiv und eine funktionierende Komposition zu finden, als einen perfekten Sonnenstern zu haben. Es kommt immer wieder vor, dass Leute nach dem perfekten Objektiv suchen, das die besten Sonnensterne erzeugt.

Es gibt viele Möglichkeiten, einen Sonnenstern mit anderen Motiven zu kombinieren, aber relativ wenige, wenn nur der Sonnenstern alleine auf dem Bild ist. Der Tipp an dieser Stelle ist, sich viel mehr um die Komposition des Bildes zu kümmern und einen Sonnenstern in die Komposition zu integrieren, wenn es angebracht ist. Ein langweiliges Motiv wird durch einen Sonnenstern nicht zwangsläufig aufgewertet.


Flares auf der Linse beobachten

Die größte Schwierigkeit beim Fotografieren von Sonnensternen ist die Erzeugung von Streulicht, welches oft das Nebenprodukt ist. Um den Stern zu erzeugen, braucht man eine starke Lichtquelle. Fotografiert man direkt in die Sonne, kommt es oft zu Lens Flares. Je nach Stärke der Flares können diese das Bild sehr stark beeinträchtigen.

Daher ist es zum einen wichtig, darauf zu achten, wie das Objektiv mit diesen Erscheinungen umgeht, denn nicht alle verhalten sich bei Gegenlicht gleich. Darüber hinaus ist die Art der Lens Flares von Objektiv zu Objektiv unterschiedlich. Wenn das Objektiv zu viele Lens Flares erzeugt, hilft es oft, den Winkel der Kamera zur Lichtquelle zu verändern. Je nach Lichteinstrahlung können die Flares dann geringer ausfallen oder sogar ganz verschwinden.


Optimale Zeit wählen

Die Tageszeit kann beim Fotografieren oft entscheidend sein. Aber in der Regel ist es viel schwieriger, in der Mittagssonne ein gutes Bild zu bekommen. Das gilt auch für das Fotografieren des Sonnensterns. Aufgrund der Position ist es schwierig, ein Objekt zu finden, das geeignet ist, das Licht zu brechen. Außerdem ist die Sonne zu dieser Zeit so stark, dass der Bereich so stark überbelichtet ist, dass der Blendenstern selbst bei Blende f.22 nicht mehr sichtbar ist.

Am besten versucht man den Moment zu erwischen, wenn die Sonne nahe am Horizont steht. So kann man den Stern viel schöner in Szene setzen und das Licht zerstört nicht das ganze Bild. Neben der Tageszeit selbst muss auch das Wetter beachtet werden. Wenn die Sonne im Bild sein soll, ist ein bewölkter Himmel kontraproduktiv. Je nach Jahreszeit kann dies auch deutlich schwieriger sein. Im Winter, wenn es sehr bewölkt ist und die Sonne kaum wirklich sichtbar ist, kann kein Blendenstern erzeugt werden.


Augen nicht gefährden

Unabhängig davon, ob ein Bild gelungen ist oder nicht, geht die eigene Sicherheit vor. Das Objektiv besteht, aus zahlreichen Linsen, die das Licht teilweise bündeln und an den Sensor weiterleiten. Das kann für die Augen sehr gefährlich werden, wenn man durch den Sucher direkt in die Sonne schaut. Es ist generell keine gute Idee, direkt in die Sonne zu schauen, schon gar nicht durch ein Objektiv, das Licht zum Auge abstrahlt.

Daher ist es sehr ratsam, beim Fotografieren von Sonnensternen den Bildschirm der Kamera zu verwenden. Auf diese Weise sind die Augen außer Gefahr und man hat ohnehin einen besseren Blick auf die gesamte Komposition. Dieses Problem ist vor allem bei Spiegelreflexkameras von Bedeutung, da spiegellose Modelle einen digitalen Sucher haben, der die Informationen nur durch einen digitalen Bildschirm wiedergibt.


Sonnensterne mit Hilfe von Apps fotografieren

Für alle Fotografen, die nichts dem Zufall überlassen, empfiehlt sich der Einsatz von Apps, die eine gezieltere Planung ermöglichen. Es gibt drei wichtige Faktoren, die bei der Planung berücksichtigt werden sollten. Der Standort, die Position der Sterne und schließlich das Wetter. Es gibt zahlreiche Foto-Apps, die hilfreich sind. Eine sehr empfehlenswerte Wahl ist PhotoPills. Diese ist sehr umfangreich und bietet auch viele andere nützliche Funktionen. Für das Fotografieren von Blendensternen ist jedoch der Verlauf des Sonnens sehr entscheidend. Mit dieser Funktion lässt sich genau abschätzen, wann die Sonne an dem gewünschten Ort und zu welcher Uhrzeit stehen wird. Dadurch lässt sich im Voraus planen, wann der Sonnenstern an einem bestimmten Ort und an einer bestimmten Position sein wird.

Außerdem helfen viele Wetter-Apps oder auch die dazugehörigen Webseiten dabei, im Vorfeld sicherzustellen, dass es keine Wolkenbildung gibt. Diese können im Zweifelsfall die Sonnen verdecken.

Sonnensterne fotografieren Berge

Sonnensterne fotografieren: Fazit

Der Blendensterneffekt ist in vielen Situationen sehr reizvoll. Vor allem, wenn mit Gegenlicht gearbeitet wird und die Sonne groß als Stern im Bild eingesetzt wird. So lassen sich auch in der Mittagssonne viel schönere Fotos erzeugen. Zwar reicht es oft aus, die Blende stark zu schließen, um diesen Effekt zu erzeugen, andererseits birgt dies aber auch einige Gefahren.

Denn es können sehr prägnante Flares entstehen, die man nicht im Bild haben möchte. Die Nachbearbeitung kann in solchen Fällen sehr aufwendig bis unlösbar sein. Daher sollte die Position der Kamera und die starke Lichteinstrahlung immer so gewählt werden, dass keine unerwünschten Flares auftreten. Gerade bei verschmutzten Objektiven kann dies sehr viel problematischer werden.

Schließlich ist es wichtig, sich die Frage zu stellen, wie und wann man diesen Effekt einsetzt. Ein Foto kann nicht vom Sonnenstern allein leben. Es braucht noch ein schönes Motiv und eine sinnvolle Komposition. Der Sonnenstern müsste sich diesen beiden Faktoren unterordnen, damit das Bild einen gewissen Charme und eine Aussagekraft bekommt.