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Jeder angehende Fotograf wird früher oder später mit der Notwendigkeit konfrontiert werden, zusätzliche Objektive kaufen zu müssen. Denn auf lange Sicht reicht die Leistung der gelieferten Kit-Objektive einfach nicht aus.

Die Suche nach dem richtigen Objektiv kann jedoch schnell zu einer Sisyphusarbeit werden. Denn die Vielfalt der verschiedenen Möglichkeiten ist nahezu unendlich. Zum einen gibt es viele verschiedene Hersteller, zum anderen sind die Preise manchmal so unterschiedlich, dass eine Entscheidung kaum möglich ist. Wenn man zu diesen Kriterien noch Begriffe wie Festbrennweite oder Zoom hinzufügt, können die meisten den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. 

Aber die Entscheidung zwischen Zoom und Festbrennweite ist bereits der Schlüssel zur richtigen Entscheidung. Denn dies sind die beiden wichtigsten Kategorien in der Welt der Objektive. Wenn man hier die richtige Entscheidung trifft, kann man die riesige Auswahl um einiges reduzieren. Angesichts der hohen Preise, die man für ein gutes Objektiv bezahlen muss, sollte man die Entscheidung nicht unüberlegt treffen. Es gibt zahlreiche Mythen über die Einsatzgebiete der jeweiligen Objektive. Aber welche davon sind wirklich wahr und welche nicht? Gerade Anfänger können sich stundenlang mit diesem Thema beschäftigen und sind am Ende nicht wirklich bereit, eine Entscheidung zu treffen. Im folgenden Artikel erläutern wir, wie sich diese beiden Kategorien unterscheiden und ob die eine oder die andere Bauweise für dich sinnvoll ist.


Was sind die Unterschiede zwischen Festbrennweite und Zoom?

Die Namen der beiden Linsen sagen bereits viel über die Funktion aus. Denn der Hauptunterschied ist die Brennweite. Dies ist jedoch nicht unbedingt der Hauptgrund, warum Fotografen das eine oder das andere Objektiv wählen. Denn die Hauptunterschiede sind in den Details verborgen.



Nikon AF-S DX Nikkor 35mm 1:1,8

  • 200 g Gewicht
  • max. 1,8 Blende
  • 35 mm Brennweite

Was macht die Festbrennweite aus?

Wie der Name schon sagt, besteht die Besonderheit dieser Objektive darin, dass sie nur eine Brennweite haben. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass man für jede weitere gewünschte Brennweite ein weiteres Objektiv benötigt. Die bekanntesten Brennweiten sind 35mm, 55mm und das 85mm. Hinsichtlich der Brennweite ist es wichtig zu wissen, dass sich diese Angaben auf Vollformat-Kameras beziehen. Bei einer APSC-Kamera kommt ein Crop-Faktor hinzu, z.B. bei Nikon beträgt dieser 1,5. Das bedeutet, dass das 35mm-Objektiv an der APSC-Kamera effektiv etwa 52,5 mm (35×1,5) beträgt.

Festbrennweiten sind in der Regel sehr lichtstark und daher sehr schnell. Dadurch entsteht der typische Porträt-Look, der sich durch einen unscharfen Hintergrund auszeichnet, während die Person scharf im Fokus bleibt. Die hervorragende Schärfe ist einer der Hauptvorteile dieser Bauweise. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sich die Entwickler nur auf eine Brennweite konzentrieren können, während sie die Leistung des Objektivs bis an die Grenze optimieren.

Das bedeutet, wenn du viel Wert auf die Bildqualität und weniger auf den Komfort eines Teleobjektivs legst, bist du mit einer festen Brennweite am besten bedient. In der Regel können Porträtfotografen davon am meisten profitieren. Die Lichtintensität und die Bildqualität bieten alle Voraussetzungen für gute Porträtaufnahmen. Der fehlende Zoom, der als größter Nachteil dieser Konstruktion gilt, fällt hier kaum auf. Beim Fotografieren von Personen beträgt der Abstand zum Motiv nur wenige Meter. Der notwendige Zoom kann mit wenigen Schritten kompensiert werden. 

Dieser Nachteil wird am deutlichsten bei Sport- oder Tieraufnahmen sichtbar. In diesen Bereichen ist die Annäherung an das Motiv in vielen Fällen nicht möglich oder sehr gefährlich. In diesem Fall wäre ein ständiger Wechsel der verschiedenen Festbrennweiten viel zu kompliziert oder sogar sehr riskant, da die Ausrüstung verschmutzt werden könnte. 



Sigma 70-200/2,8 DG OS HSM Sports


  • 1,4 kg Gewicht
  • max 2,8 Blende
  • 70-200 mm Brennweite

Wodurch zeichnet sich ein Zoomobjektiv aus?

Jeder der eine neue Kamera kauft, bekommt normalerweise ein Standard-Zoomobjektiv mitgeliefert. Das bedeutet, dass Zoomobjektive von Anfang an einen festen Platz in der Welt der Fotografie einnehmen. Dies ist der Hauptgrund, warum Anfänger sehr skeptisch gegenüber Festbrennweiten sind. Denn sie haben sich durch das Kit-Objektiv an den Komfort eines Zoomobjektivs gewöhnt und müssen die Komfortzone mit einer Festbrennweite verlassen. 

Optisch zeichnen sich Zoomobjektive vor allem durch ihre Größe aus. Denn im Vergleich zu Standard-Festbrennweiten sind Teleobjektive in der Regel schwerer und länger. Besonders ältere Objektive mit einem breiten Spektrum wurden beim Zoomen noch länger, weil ein Teil des Objektivs ausgefahren wurde. Auch bei neueren Objektiven kann man dies noch sehen. 

Sehr beliebt sind Zoomobjektive in der Sport- und Tierfotografie. Hier kommt man nicht immer nahe an das gewünschte Motiv heran. Daher kann der Zoom hilfreich sein, da man das Objekt leicht aus der Entfernung fotografieren kann. 

An dieser Stelle ist ein wichtiger Faktor zu beachten. Je länger die Brennweite, desto unruhiger ist das Bild. Wer sehr stark in das Bild hineinzoomt und ohne Stativ fotografiert, erhält sehr schnell einige verwackelte Bilder. Die geringsten Handbewegungen in diesem Bereich wirken sich auf das Bild aus. Wer bereits ein Fernglas benutzt hat, kennt den Effekt. Je stärker der Zoom, desto schwieriger ist es, das Bild ruhig zu halten. Der gleiche Effekt tritt auch bei Objektiven mit einem großen Zoombereich auf. Abhilfe kann ein Stativ oder ein integrierter Bildstabilisator schaffen, der dem Zittern entgegenwirkt und das Bild stabil hält.

Ein wichtiger Nachteil, der bei vielen Teleobjektiven auftritt, ist die etwas schlechtere Bildqualität. Besonders bei extremen Zoomobjektiven wird eine schlechtere Bildqualität in Kauf genommen. Im Vergleich dazu können vergleichbare Objektive mit fester Brennweite wesentlich bessere Bilder erzeugen. Fairerweise muss gesagt werden, dass es auch einige Zoomobjektive gibt, die mit einer ausgezeichneten Bildqualität punkten können. Aber man muss sie mit einem höheren Preis kaufen. Ab und zu wird auch die Größe oder das Gewicht einiger Teleobjektive als Nachteil angesehen, doch das ist meist eine persönliche Vorliebe.


Wann sollte man zu welchem Objektiv greifen?

Nach all dem bleibt eine wichtige Frage unbeantwortet und zwar wann welches Objektiv verwendet werden soll. Wie oft erwähnt, zeigen Zoomobjektive ihre Stärke in der Sport- oder Tierfotografie. Die flexiblen Brennweiten bieten in diesen Bereichen enorme Vorteile. Aber was ist mit den anderen Gebieten der Fotografie?


Landschaftsfotografie: Festbrennweite oder Zoom?

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Ein sehr beliebtes Genre ist die Landschaftsfotografie. Hier ist eines der wichtigsten Objektive ein Weitwinkel. Denn man möchte so viel von der Landschaft wie möglich einfangen. Ein lichtstarkes Objektiv ist nicht zwingend notwendig, da die meisten Landschaftsfotografen ohnehin im Blendenbereich von f.8 bis f.11 fotografieren, um dadurch das gesamte Bild scharf zu bekommen. 

Eines der beliebtesten Objektive in diesem Genre ist das legendäre 16-35 mm. Obwohl es einen sehr weiten Brennweitenbereich hat, wird es immer noch als Zoomobjektiv bezeichnet. Der große Vorteil ist die Flexibilität. Denn als Landschaftsfotograf befindet man sich oft an Orten, wo es kaum möglich ist, näher an das Objekt heranzukommen. Dazu gehören Berggipfel oder meterhohe Klippen an der Küste. Deshalb sind Festbrennweiten für die Landschaftsfotografie tendenziell weniger geeignet. Aber wenn man bereits ein Zoom besitzt und nur eine Brennweite verwendet, könnte man auch die bevorzugte Brennweite als Festbrennweite kaufen und nutzen.


Hochzeit: Festbrennweite oder Zoom?

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Viele Fotografen werden für Hochzeiten oder ähnliche Veranstaltungen gebucht. Hier ist es besonders wichtig, die richtige Ausrüstung zu haben. Sie soll einerseits die tägliche Arbeit erleichtern und andererseits muss der Kunde mit dem Ergebnis zufrieden sein. Um eine aussagekräftige Bewertung abgeben zu können, ist es wichtig zu wissen, unter welchen Bedingungen man fotografieren muss. Findet die Aufnahme hauptsächlich im Freien statt, dann ist die Festbrennweite optimal. Denn zum einen bietet die Lichtintensität eine wunderbare Tiefenschärfe, zum anderen kann der Lichteinfall ein wesentlich schöneres Bild erzeugen. 

Es gibt jedoch häufig den Fall, dass ein Hochzeitsfotograf die kirchliche Trauung aufnehmen muss. Hier ist es mit der festen Brennweite schwierig, weil man zu nah an dem Paar sein muss. Was wiederum die Trauung stören könnte. Deshalb verwenden viele Hochzeitsfotografen den Standardzoom von 24 bis 70 mm. Damit kann man die gewünschten Motive aus der Entfernung auswählen, ohne den Ablauf zu stören. Viele verwenden zwei Kameras mit jeweils zwei verschiedenen Objektiven für die jeweiligen Aufträge. Dies ermöglicht einem, zwischen den beiden gewünschten Situationen zu wechseln. Der Nachteil ist sicherlich das schwere Gewicht, das den ganzen Tag getragen werden muss. 

Einsteiger sollten sich aus mehreren Gründen für das Zoomobjektiv entscheiden. Dadurch ist man mit allen wichtigen Brennweiten abgedeckt und kann mit nur einem Objektiv viele verschiedene Situationen meistern. Wenn man etwas erfahrener ist und das Gewicht ein Problem darstellt, kann man auf eine festen Brennweite umsteigen. 


Reisefotografie: Festbrennweite oder Zoom?

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Die Reisefotografie ist einer der Gründe, warum die meisten Kameras mit einem Zoomobjektiv ausgestattet sind. Dieser Bereich richtet sich an die breite Masse und soll den Benutzern den Komfort bieten, den sie im Urlaub benötigen. Denn mit nur einem Objektiv kann man in völlig unterschiedlichen Situationen fotografieren. Manchmal werden Bilder mit dem Zoom direkt aus dem Auto aufgenommen, wenn man auf der Durchfahrt ein interessantes Motiv entdeckt. Wer seine Kamera vor allem auf Reisen benutzt, sollte auf jeden Fall einen Zoom verwenden, der einen weiten Bereich abdeckt, wie zum Beispiel das 24-105mm Objektiv. Dadurch hat man einen optimalen Kompromiss zwischen Gewicht, Preis und Leistung. 


Portrait: Festbrennweite oder Zoom?

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Die Porträtfotografie ist der Bereich, der am meisten von einer festen Brennweite profitieren kann. Die Lichtstärke in Kombination mit der Bildqualität ist kaum zu übertreffen. Wer lieber unterwegs porträtiert, wird vom geringen Gewicht dieses Objektivs profitieren. Die Lichtstärke erlaubt eine sehr weiche Tiefenschärfe und bietet somit viele kreative Möglichkeiten der Bildkomposition. Besonders bei der Gegenlicht-Fotografie kann die offene Blende einer Festbrennweite besonders helfen.


Welches Objektiv ist günstiger in der Anschaffung?

Auch nach all den Vor- und Nachteilen ist der Preis der entscheidende Faktor beim Kauf eines neuen Objektivs. Denn der Preis einer guten Linse kann mehrere tausend Euro betragen. Ein direkter Preisvergleich ist relativ schwierig, denn einerseits sind die Objektive viel zu unterschiedlich und andererseits hängt der Preis enorm vom Hersteller ab. Wenn man aber genauer hinschaut, sind Festbrennweiten viel günstiger. Zum Teil gibt es sehr gute und lichtstarke 35 mm-Objektive ab 150 Euro. Bei Zoomobjektiven mit vergleichbarer Lichtstärke liegen die Preise weit über 800 Euro. Man kann also bei Festbrennweiten viel sparen, denn man bekommt viel Leistung für wenig Geld.


Welche Rolle spielt das Gewicht ?

Was viele vernachlässigen, ist das Thema “Gewicht”. Dies kann ein sehr wichtiger Faktor sein. Denn es gibt einige Objektive, die schwerer sind als die Kamera selbst. Besonders für diejenigen, die gerne reisen oder wandern. Häufig wird das Gewicht beim Kauf eines Objektivs nicht berücksichtigt, was dazu führt, dass das Objektiv beim Wandern oft gar nicht mitgenommen wird. Auch beim Reisen mit dem Flugzeug ist man auf ein bestimmtes Gewicht beschränkt. Solche Linsen bleiben oft einfach zu Hause. Festbrennweiten sind aufgrund ihrer Konstruktion sehr leicht. Zoomobjektive enthalten viel Glas und wiegen daher viel mehr.


Muss man sich überhaupt zwischen Zoom und Festbrennweite entscheiden?

Schließlich ist die persönliche Präferenz entscheidend, welche Bauart man bevorzugt. Dies ist gerade für Anfänger ein sehr wichtiger Tipp, denn es macht keinen Sinn, viel Geld für ein Objektiv auszugeben, wenn man es nur einmal im Jahr benutzt. Es ist viel sinnvoller, in das Gebiet zu investieren, in dem man sich hauptsächlich bewegt. Auf diese Weise kann man viel effektiver in qualitativ hochwertige Objektive investieren. Sonst würde man das gleiche Geld für viele verschiedene, aber schlechte Objektive verwenden. 

Wenn man aber ein Allrounder ist und in allen Bereichen tätig ist, spricht nichts dagegen, beide Arten in der Sammlung zu haben, so dass man für jeden Zweck gut gerüstet ist. Denn langjährige Fotografen machen es genau so.